00:10
Herzlich willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Mein Name ist Wolfram Höll. Bei mir ist die Frau, die ihren Kaffee so stark trinkt, dass der vor Kraft nicht mehr aus der Kanne kann. Susanne Jansson.
00:23
Hallo Wolfram und ich grüße euch alle und begrüße euch vor allen Dingen herzlich in Wolframs Wortspiel Hölle, denn er hat seine helle Freude und es ist erst oder leider schon der dritte Teil von den fünf toten alten Damen. Das heißt, es gibt noch ganz viel...
00:38
von dir abzugrasen und zu zitieren mit einem Lachen wie der Knabe auf der Milchschokolade von Kinder.
00:47
Eben, also meine Wortspielhölle, die habe ich jetzt nicht gemacht. Das sind wie immer Perlen, kann man schon so sagen, die ich in den fünf toten alten Damen entdeckt habe.
00:57
Oh, das ist ein schwieriger Satz. Perlen, die ich in den fünf toten alten Damen entdeckt habe, aber...
01:03
der Hörspielproduktion. Und was ich gerade zitiert habe, war aus dem dritten Teil, den wir heute hören werden.
01:09
Wie viele tote alte Damen gibt es denn jetzt schon?
01:13
Ich würde sagen, passend zur dritten Folge, drei.
01:17
Stimmt, wovon wir aber eigentlich nur zwei kennen und auch die nicht wirklich sind, die alle in unserer Abwesenheit verstorben. Aber die Schwester vom Professor, meine ich, die ist schon vor Beginn des Hörspiels, der Hörspielhandlung, ins Jenseits getreten.
01:32
Das ist so, genau. Die anderen beiden Patientinnen von unserem Dr. Klein, unserem Protagonisten, der aber jetzt am Anfang der Folge nicht in der eigenen Praxis ist, sondern im Wartezimmer eines Anwalts.
01:44
Genau, da haben wir ihn zurückgelassen am Ende von Folge 2 und er blättert durch die Zeitschrift, hat eine Kurzgeschichte gelesen und darin muss etwas stehen, was ihm deutlich gemacht hat, es war Mord.
01:56
Ich bin gespannt. Es war Mord, wäre eigentlich auch ein schöner Claim für den Krimi-Podcast.
02:00
Ich glaube, du hast das letzte Mal schon gesagt. Machst du das jetzt so? Ist das so ein Trick? Mach ich nicht normal. Du wirst es wiederholen. Doch, doch, doch. Und irgendwann schwuppdiwupp haben wir es geändert.
02:09
Viel Vergnügen beim dritten Teil der fünf toten alten Damen.
02:12
Von Hans Krul. Viel Spaß. Musik Musik Musik Musik
02:39
Da saß ich im Wartezimmer dieses merkwürdigen Anwalts und las schon längst nicht mehr. Ich hielt die Zeitung in den Händen und starrte das Papier an. Und plötzlich ahnte ich, wie Mechtels Tante gestorben war. Es war nicht ein altes Herz, das aufgehört hatte zu schlagen. Es war Mord.
03:05
Und es musste so gewesen sein, wie in der Geschichte, die ich gelesen hatte. Hier im Wartezimmer. Jetzt eben. Auf der letzten Seite eines unbedeutenden Provinzblättchens. Vielleicht hatte der Mörder auch hier gesessen, vor Tagen. Hatte auf den Herrn Dr. Krompecher gewartet und gelesen und die fatale Anregung gefunden.
03:34
Aber ich musste es beweisen können. Und noch mehr.
03:40
Zwei alte Damen waren vor Mechtels Tante gestorben. Unter normalen Umständen. Ich selbst hatte einen der Totenscheine ausgestellt. Kein Zweifel an einer natürlichen Todesursache. Kein Zweifel? Damals noch nicht, nein.
04:04
Und jetzt? Immerhin, die Damen waren auffällig kurz nacheinander gestorben. Und es musste ein Zusammenhang zwischen ihnen bestanden haben. Es gab eine Foto, die sie zusammen zeigte als junge Mädchen. Fünf junge Mädchen im Kostüm der Jahrhundertwende. Drei waren nun tot.
04:27
Zwei lebten noch. Die eine kannte ich, die andere würde ich bald kennenlernen. Sie wollte in meine Sprechstunde kommen. Das waren schon Gründe zum Grübeln. Ich fuhr zusammen, als mein Name gerufen wurde. Es war die Stimme des Mädchens mit den Glutaugen aus dem Vorzimmer. Sie kam aus einem Lautsprecher über der Tür. Herr Dr.
04:52
Klein, bitte nach Zimmer 1. Herr Dr. Klein?
04:59
Hastig faltete ich das Provinzblatt zusammen und verstaute es in meiner Brusttasche. Sicher kam es nicht alle Tage vor, dass ein Klient im Wartezimmer eines Rechtsanwalts die Literatur mitgehen ließ. Es half nichts. Ich musste eine Ausnahme machen. Ich verließ den Warteraum durch die zweite Tür und stand in einem Gang, den gleichmäßiges Neonlicht füllte. Ein paar Türen gingen ab. Links hinten war die Nummer 1. Ich vergewisserte mich noch einmal, ob die Zeitung nicht aus meiner Innentasche herausragte Dann klopfte ich kurz und trat ein.
05:33
Krompechers Brillengläser funkelten mir entgegen. Er saß der Tür gegenüber vor einer gewaltigen Fensterfläche. Sie nahm fast die ganze rückwärtige Wand ein. Schwere Vorhänge aus grünem Samt hingen von der Decke herunter. Krompechers gepflegte Hand winkte mich heran. Meine Sohlen sanken in einen beachtlichen Teppich.
05:57
Herr Doktor Klein, ich begrüße Sie. Bitte nehmen Sie Platz. Danke. Was führt Sie zu mir, verehrter Doktor Klein?
06:05
Ich bedauere, dass ich Sie jetzt noch störe, Herr Doktor Krompecher, aber ich kann schlecht weg vorher.
06:10
Sie wissen, wie das bei uns ist. Selbstverständlich. Ich hoffe, dass Sie nicht auch einen ähnlich traurigen anderen...
06:15
Sie fragten mich neulich nach der Todesursache von Frau Jenny Herwig. Am Tage darauf starb die Tante meiner Sprechstundenhilfe, Frau Bertha Scherf.
06:23
Ich lernte Ihren Hausarzt kennen. Ich erfuhr später von ihm, dass Sie sich auch in diesem Fall erkundigt hätten, ob eine normale Todesursache vorläge. Das ist kein Geheimnis. Und dann hörte ich von einem Kollegen, dass Sie auch bei ihm gewesen wären. Wegen einer anderen alten Dame, Frau Wiebach-Thompson, vor acht Wochen. Richtig. Aber was haben Sie für ein... Sie wundern sich über mein Interesse. Ich habe mich auch gewundert.
06:49
Es kommt kaum vor, dass Anwälte nach Todesursachen fragen. Das macht die Polizei.
06:54
Oder die Verwandtschaft. Ich wundere mich in der Tat, Herr Dr. Klein. Neugierde ist zwar eine menschliche Eigenschaft wie andere auch, aber ich finde, dass Ihre Neugierde in diesem Fall ein wenig weit geht. Und ich muss Sie um Verständnis bitten, wenn ich Ihnen mitteile, dass ich über diese Angelegenheit keine Erklärung abgeben kann. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?
07:17
Die Frage ist, ob Sie in meinem Fall eine Ausnahme machen können. Warum sollte ich das? Ich sehe keinerlei Veranlassung. Ich weiß, dass diese alten Damen sich aus ihrer Schulzeit kennen. Ich habe zweimal ein Bild gesehen, das sie alle zusammen zeigt. Es muss ein Zusammenhang bestehen. Zwei von den alten Damen leben noch. Eine davon ist meine Patientin, Frau Lenzem. Die zweite wird es noch, Frau Lindemann. Ich bin ziemlich engagiert bei dieser Geschichte, wie Sie sehen.
07:47
Auf zwei alte Damen muss ich aufpassen, bis Sie wiederkommen, Herr Rechtsanwalt, und mich nach der Todesursache fragen.
07:54
Ich wiederhole, ich kann Ihnen keine Erklärung abgeben.
07:58
Damit darf ich unsere Unterredung wohl als... Herr Doktor Krompecher, wer kriegt denn das Geld, wenn Sie alle tot sind? Als beendet betrachten.
08:08
Ich habe meinen Worten nichts mehr hinzuzufügen.
08:11
Langsam erhob ich mich. Ich war größer als er und konnte auf ihn hinuntersehen.
08:17
Einen Augenblick überlegte ich, ob ich mit der Geschichte aus der Zeitung herausrücken sollte. Dann verwarf ich den Gedanken, weil mir ein Besserer kam. Es hatte auch keinen Zweck, den letzten Trumpf noch an Krumpächer zu verschleudern.
08:29
Meine Zeit ist leider bemessen, Herr Dr. Klein. Um Geld geht es doch. Wie?
08:37
Na, vielen Dank, dass Sie mich angehört haben.
08:40
Guten Tag.
08:41
Guten Tag.
08:43
Als ich die Klinke in der Hand hatte, drehte ich mich um. Er stand unbewegt und aufrecht, ein Anwalt und Hüter des Rechts. Aber es kam mir so vor, als würde er nur durchhalten, bis ich draußen war.
08:55
Auf Wiedersehen.
08:56
Spätestens nach dem nächsten Todesfall.
09:13
Der Ausgang war am Ende des Flurs.
09:15
und der Weg führte leider nicht durch das Zimmer des Mädchens mit den Glutaugen. Ich spürte Hunger und aß in einem Restaurant zwei Paar Würstchen. Meine Laune war nicht schlecht. Viel hatte ich nicht erreicht, aber es war fraglich, ob Krompecher mit gleich gutem Appetit beim Mittagessen saß. Ich zahlte und suchte mir die Telefonkabine. Die Nummer in meinem Notizbuch war kaum mehr leserlich, so lange stand sie schon drin.
09:45
bekam die Zentrale, verlangte die interne Nummer und wartete.
09:53
Hören Sie noch?
09:55
Ich höre noch.
09:56
Es meldet sich leider niemand. Kommissar Noges ist noch beim Essen.
09:59
Können Sie ihm ausrichten, er soll mich anrufen?
10:01
Selbstverständlich.
10:04
Ich nannte Nummer und Namen, bedankte mich artig und hing auf. Es war halb drei, höchste Zeit nach Hause zu fahren.
10:11
Ich kam gerade noch zur Nachmittagssprechstunde zurecht. Mechthild balancierte eine randvolle Kaffeetasse herein.
10:16
Da hat so ein komischer Mann angerufen. Nurgis oder Nurgis oder so ähnlich. Er fragte, ob sie immer noch Mittag essen. Und dann wollte er wissen, wie ich aussehe.
10:27
Haben Sie es ihm gesagt? Natürlich nicht. Hätten Sie ruhig tun können. Er kriegt es sowieso raus. Ist bei der Polizei.
10:34
Haben Sie was ausgefressen?
10:37
Nein, er ist ein Schulfreund von mir.
10:40
Ach so, er kichert auch so dumm.
10:43
Das macht er immer. Ruft er wieder an?
10:45
Ja, aber sagen Sie ihm ja nicht, wie ich aussehe.
10:48
Ich werde mich hüten. Nun her mit der Kundschaft.
10:51
Ja, nicht viel los heute.
10:56
Klein.
10:57
Loges, du hattest Sehnsucht nach mir?
11:01
Da ist er schon. Was gab es bei dir?
11:04
Rüppchen und Sauerkraut.
11:05
Kantinenessen Nummer vier. Hm.
11:08
Würstchen. Ja, das fand sie von deiner auch. Sie war Klosterschülerin und ist sehr schüchtern. Wenn du bis halb sieben bei mir bist, kannst du sie bestaunen. Heute Abend. Whisky und Bier.
11:28
Das Mädchen ist 54. Bis dann...
11:36
Können Sie sagen, ich wäre 54?
11:39
Nur Notwehr. Wenn ich Ihr wahres Alter gesagt hätte, wäre er in zehn Minuten schon hier. Und wir haben noch etwas zu tun.
11:45
Und das wollen erwachsene Männer sein.
11:48
Kurz nach sechs war unser Wartezimmer leer. Ich machte mich an die Eintragung, Mechthild sich an unser Handwerkszeug. Es schlug halb sieben. Da sah ich durch mein Fenster Daniel Noges Vorfahren, meinen Schulfreund von derselben Bank. Er war wohl der Einzige in der Stadt, der ein noch älteres Auto hatte als ich. Ein Modell aus dem Olympia-Jahr 1952. Möchtet?
12:13
Ja, bitte?
12:14
Er kommt. Wenn Sie an die Tür gehen, passen Sie auf Ihre Strümpfe auf.
12:17
Meine Strümpfe? Ja. Ja, wieso denn?
12:20
Beherzigen Sie meinen Rat.
12:32
Weiß nicht, wo ist richtig? Weiber muss man hart anpassen. Noch dazu, so Alte.
12:37
Lasst den Blödsinn und kommt herein.
12:39
Ah, der Meister. Noch am Arbeitsplatz.
12:43
So eine blöde Mensch. Ich heiße Noges, meine Dame. Mit zwei E. Daniel mit Vornamen. Und das ist Sherlock, der Meister Dackel. Spurensucher und Nylon-Liebhaber. Hat lange gedauert, ihm das beizubringen.
12:58
Herr Dr. Klein, Sie haben einen Beamten belogen.
13:01
Sie ist nicht 54. Sie war es vorhin noch. Aber da kam ein Vertreter mit Verjüngungspillen. Radioaktiver Knoblauch. Nicht zu glauben. Gib mir auch ein paar.
13:10
Aber ja, und dann packe ich ihn auf die Säuglingswaage und füttere ihn mit Reisschleim.
13:14
Ich sehe, ihr versteht euch gut.
13:17
Und nun sehen Sie sich die Dame noch einmal genau an, Herr Kommissar, und dann sag schön auf Wiedersehen. Ihre Mama wartet. Und Jugendliche darf ich keine Überstunden machen lassen.
13:26
Also wenn er Sie ausbeutet, Frau L. Mechthild, wenden Sie sich an das Polizeipräsidium Zimmer 512. Und laut klopfen. Sonst wacht er nicht auf.
13:34
Soll ich noch etwas zurecht machen?
13:35
Ist nicht nötig, verehrte Dame. Wir haben nur dienstlich miteinander zu sprechen.
13:39
Aha, bei Whisky und Bier, das kenne ich.
13:41
Michael, dieses Mädchen würde ich nur unter Polizeischutz nach Hause gehen lassen.
13:47
Das könnte dir so passen. Alles dann, Mechthild. Bis morgen.
13:51
Die Kopfschmerztabletten sind oben links im kleinen Schrank.
13:54
Danke für den Hinweis.
13:56
Also ich werde mir ein paar schöne Beschwerden ausdenken und mich morgen zur Behandlung einfinden.
14:02
Mechthild winkte noch einmal und dann waren wir allein. Wir aßen in der Küche im Stehen aus dem Kühlschrank und tranken dazu Bier aus der Flasche. Dann öffnete ich die Whiskyflasche, Daniel brockte Eis in den Behälter, gleich darauf saßen wir um die Gläser.
14:16
Zur Gesundheit, Herr Doktor.
14:19
Prost. Daniel, hör zu und sag mir dann, was du davon hältst.
14:26
Aha.
14:28
Na mal los. Ich erzählte ihm die Geschichte von Anfang an, wie ich sie erlebt hatte. Diesmal ließ ich nichts aus. Nur die Zeitung, die ich in Krombechers Wartezimmer gefunden hatte. Die halbe Flasche war weg, als ich endete.
14:44
Und dieser Krombecher hat dich glatt abfahren lassen, wie? Hat er. Ganz recht von dem Mann. Da kann ja jeder kommen und seinen Rüssel reinstecken wollen.
14:53
Aber der muss doch das Gefühl haben, dass irgendetwas nicht stimmt.
14:58
Warum rennt er sonst herum und quetscht die Ärzte aus? Und dieser komische Rektor, der mehr wusste, als er sagte. Pass auf, Daniel, jetzt sind noch zwei übrig. Wenn die sterben, kriegt irgendjemand das Geld, die Erbschaft, was immer es ist. Ich wollte ja nur rauskriegen, wer dieser jemand ist.
15:20
Und dann?
15:21
Dann könnte man vielleicht... Dann könnte man gar nichts, mein Herzchen.
15:24
Lass dir das von einem alten Polizisten sagen. Wenn ein Erbberechtigter stirbt, dann kommt der Nächste. Das ist so, solange die Welt sich dreht. Alte Leute sterben eben. Die Polizei arbeitet nicht so, wie das in den Kriminalromanen steht. Wenn hier einer eine Anzeige macht und wir ermitteln, dann kommen wir letzten Endes zu euren drei normalen Todesursachen. Und damit ist der Fall zu Ende und der Akte zu. Also, Prost!
15:50
Wie würdest du die Sache beurteilen, wenn es sich herausstellt, dass in einem Fall etwas nachgeholfen wurde?
15:58
Das wäre dann schon was anderes. Dann müsste man sich das Ensemble genauer ansehen. Da. Noch eine Überraschung?
16:08
Das fand ich heute in Krompechers Büro.
16:12
Wenn ich nicht gesessen hätte, hätte ich mich gesetzt. Lies. Die ganze Zeitung? Hinten die Kurzgeschichte. So ganz schön spannend machst du das. Er las, ich beobachtete ihn. Er zog seine Brauen zusammen.
16:30
Dann grinste er immer mehr. Schließlich lachte er los.
16:39
Du lieber Himmel. Darauf einen Whisky.
16:44
Daniel, hier geht es darum. Ein Mann will seine Tante beerben. Sie ist alt, nervös, herzkrank. Er ruft sie mitten in der Nacht an, knallt mit einer Platzpatronenkanone in seinen Hörer. Sie erschrickt furchtbar. Herzschlag. Aus.
17:02
Ich musste sofort an Mechthils Tante denken. Sie hatte telefoniert. Der Apparat lag zertrümmert auf dem Fußboden. Und noch etwas. Unser jemand dachte gerade scharf nach, wie er die dritte alte Tante zur Strecke bringen könnte. Da war er in Krompechers Wartezimmer und las die Geschichte. Genau wie ich. Nur ein paar Tage früher. Und er dachte sich, versuchen kostet nichts. Klappt es nicht, klappt was anderes.
17:30
Schau ihn dir an, Sherlock, mein Hundchen. Dein Namensvetter. Ich gebe meinen Posten und lasse mich pensionieren. Idiot. Pass auf, pass auf, Michael. Nichts gegen die Story. Die ist nicht schlecht.
17:44
Aber ich weiß gar nicht, ob sowas technisch überhaupt geht. Ich frage gerne unseren Spezialisten. Die Membrane...
17:50
Wenn man das Ding weit genug weghält?
17:52
Schön. Schön.
17:55
Aber ich habe das Gefühl, du hängst zu sehr an deiner Idee, um sie aufgeben zu können. Wenn ich Anfänger wäre in meiner Branche, würde ich wahrscheinlich auch daran hängen. Wie du an deinen ersten gewaltigen Fällen, die nachher ja gar keine waren. Alles wirkt geheimnisvoll, wenn man keine Ahnung hat. Also, komm, lass die alten Tanten im Frieden ruhen und die Erbschaft auf den Kopf hauen, wer will. Wir haben ja sowieso nichts davon. Also, Prost!
18:21
Medizinmann, ich hab's. Wir machen einen Kriminalroman daraus. Fünf tote alte Damen. Und ich hab auch schon einen Mörder. Wen? Du natürlich. Kein anderer als du.
18:34
Großartig.
18:35
Na klar, wenn alle fünf tot sind, dann kassieren die Verwandten. Mechthild ist eine Verwandte. Ihr macht zusammen eure Sprechstunde und nach Dienstschluss mordet ihr ein bisschen. Dann heiratest du sie und streichst die Kopeten ein, ne? Ja.
18:49
Na, wie gefällt dir das?
18:50
Du bist der genialste Kriminalist, den ich je kennengelernt habe. Wie kommst du auf die Idee, dass ich Mechthild heirate?
18:56
Na, hör mal, Onkel. Willst du einem Polizisten Thea in die Augen träufeln? Das sieht doch meine blinde Großmutter, dass sie in dich verknallt ist. Und du nicht minder in sie. Noch eine alte Dame. Und wann heiraten wir? Wie ich gesagt habe, wenn alle tot sind. So. Und jetzt gehabt dich wohl, du Witwenmörder. Und grüß meine Frau Doktor. So, ich muss jetzt gehen.
19:17
Ich brachte ihn bis vor die Haustür, schloss ab, räumte die Gläser weg und ging ins Bett. Bevor ich einschlief, schwor ich mir nicht mehr an die Geschichte zu denken. Zwei Tage später wurde ich wieder daran erinnert. In der Sprechstunde. Gerade hatte ich einer Patientin ihr Rezept geschrieben und sie mit aufmunternden Worten entlassen, kam Mechtelt herein und schloss die Tür hinter sich.
19:42
Sie ist da.
19:44
Wer?
19:45
Die Schulfreundin, die von Tante Bertha, vom Friedhof.
19:48
Ich faltete die Hände über dem Ansatz meines Bauches und überdachte mein Schicksal. Der alltägliche Trubel hatte mir dazu verholfen, meine alten Damen fast vollständig zu vergessen. Aber sie vergaßen mich nicht. Das war Dorothea Lindemann, die vierte von fünfen. Und am Samstag.
20:13
Soll sie zuerst...
20:14
Noch viel vor ihr?
20:15
Zwei.
20:17
Na, dann weiter.
20:21
Der nächste, bitte.
20:23
Die zwei bestanden aus einem Rezept, einer Überweisung zum Augenarzt und etwas gutem Zuspruch. Dann sammelte ich mich, um Dorothea ins Auge zu sehen. Sie trat über die Schwelle und ich war platt.
20:40
Weder war etwas von knapp 80 Jahren an ihr zu sehen, noch die Spur eines Leidens. Sie trug keine Brille, und ihr Haar war noch nicht weiß. Sie hatte ein rundes, etwas derbes Gesicht mit wenig Falten und von gesunder Farbe, wie eine Bäuerin, die sich 17 von 24 Stunden unter freiem Himmel bewegt. Die Figur zeugte von erfreulichem Appetit und zahlreichen Sitzungen hinter Kuchen und Schlagrahmen.
21:10
Nichts von der Zerbrechlichkeit ihrer Freundinnen war an ihr, aber auch nichts von der Würde und Autorität, wie ich sie an Agnes Lenzem gesehen hatte. Sie sah bieder aus und schlicht. Und so war auch ihre Kleidung. Sie steckte in einem Kleid aus einfachem Leinen mit einem verschossenen Blumenmuster. Am Hals saß eine gewaltige Brosche. Die Frisur des strähnigen Haares wurde von einem runden Topfhut gekrönt.
21:38
Den Abschluss nach oben bildete eine starke Hutnadel mit Kopf und Brust eines Pferdes aus dem gleichen Bundglas wie die Brosche am Kleid. Ich konnte nur schwer meinen Blick davon losbringen. Aber während ich alles das sah, kam ein leises Gefühl von Mitleid für die alte Frau in mir hoch. Trotz aller Gesundheit sah sie hilfloser aus als alle, die mit ihr auf dem Bild gewesen waren. Ich stand auf und streckte ihr die Hand entgegen.
22:07
Guten Tag, Herr Doktor.
22:09
Frau Lindemann, schön, dass Sie mich auch einmal besuchen. Mechtheld hat Sie schon angekündigt.
22:14
Ach ja, Herr Doktor.
22:18
Nehmen Sie doch bitte Platz, Frau Lindemann.
22:20
Danke.
22:22
Vielen Dank.
22:24
Ich habe gehört, Sie waren mit Frau Scherf bekannt und mit Frau Herwig. Tut mir leid. Traurig, wenn man alte Freunde verliert.
22:33
Ja. Ja.
22:35
Ja, Herr Doktor. Und so schnell hintereinander, alle beide. Wissen Sie, wir waren zusammen auf einer Schule, in derselben Klasse.
22:44
Ah, ja.
22:44
Ja. Na, weiß ich, was meine Wenigkeit ist. Ich bin nur zwei Jahre da gewesen und dann, ich bin nämlich sitzen geblieben. Dann bin ich, ich bin abgegangen. Das Gymnasium war nichts für mich, wissen Sie.
23:00
Aber sie haben mich nicht vergessen, die anderen. Und mir immer geschrieben und mich eingeladen. Und wir haben uns nie aus den Augen verloren.
23:09
Ja, und dann starb die Alma. Aber die werden sie nicht kennen.
23:14
Nein.
23:14
Sie starb ganz plötzlich. Wie lange ist das denn jetzt her? War ja noch nicht sehr lange. Und dann ist die Jenny, die Frau Herwig. Ja, und jetzt die Bertha, die Tante von ihrem Fräulein.
23:27
Aber Ihnen fehlt doch nichts, wie ich sehe.
23:28
Nein, nein, nein, Herr Doktor, unberufen. Ich kann nicht klagen. Ich bin immer gesund gewesen. Mein Vater ist 92 Jahre alt geworden, denken Sie. Alle in seiner Familie waren so alt.
23:41
Das werden Sie bestimmt auch schaffen, Frau Lindemann.
23:43
Ach, ich weiß nicht, Herr Doktor. Jetzt, wo das alles passiert ist, man bekommt doch ein bisschen Angst.
23:53
Nicht, dass ich mich fürchte, aber ich war ewig nicht beim Arzt und da wollte ich eben...
23:57
Da wollten Sie sich mal gründlich untersuchen lassen zur Beruhigung.
24:00
Ja, so ist es, Herr Doktor.
24:02
Machen wir gerne, Frau Lindemann. Aber erst will ich mir mal Ihre Personalien aufschreiben. Wie heißen Sie denn mit Vornamen, Frau Lindemann?
24:11
Dorothea. Anna Dorothea.
24:14
Aha. Anna Dorothea. Ja. Und wann sind Sie denn geboren? Ja.
24:20
Im November, am 22. November 1880.
24:24
Ah, da haben Sie ja bald Geburtstag.
24:27
Ja, es geht nicht mehr lang bis dahin. Ach Gott, früher kamen wir immer alle zusammen, wenn einer Geburtstag hatte.
24:36
Ja, das ist eine schöne Sitte. Und was für eine Geborene sind Sie, Frau Lindemann?
24:43
Geborene? Ach so, Lindemann, ich war nicht verheiratet.
24:48
Und in welcher Kasse sind Sie?
24:49
Ich bin Rentnerin, aber mir geht es nicht schlecht.
24:54
Sind Sie denn mal schwer krank gewesen, Frau Lindemann? Unfälle, Operationen, sonst irgendwelche Beschwerden?
25:01
Nein, nein. Als Kind habe ich Keuchhusten gehabt. Und dann wollten Sie mir die Mandeln rausnehmen, aber es war nicht nötig. Nein, nein, ich war immer gesund.
25:12
Da habe ich ja schon mehr gehabt als Sie, Frau Lindemann. So.
25:17
Und nun machen Sie sich bitte ein bisschen frei. Sehen wir mal nach, ob alles in Ordnung ist.
25:22
Ja, ja, bitte, Herr Doktor.
25:26
Sie fingerte aufgeregt an ihrem Hut herum und zog die Pferdekopfnadel heraus. Ein furchterregendes Ding. Sie war etwa 15 Zentimeter lang mit einer drohenden Spitze. Und der Schaft verbreitete sich wie ein Stilett aus dem alten Venedig. Dass der Hut das aushielt. Ich war schnell fertig mit Dorothea.
25:47
Hoffentlich haben Sie nichts Schlimmes gefunden, Herr Doktor.
25:50
Tja, also, an Ihnen kann ich überhaupt nichts verdienen, Frau Lindemann.
25:57
Wirklich, Herr Doktor?
25:58
Wirklich. Machen Sie sich keine Sorgen. Nichts zu finden.
26:02
Ach, da bin ich ja froh, Herr Doktor.
26:05
Ich schreibe Ihnen hier ein paar Bonbons auf. Mit allen Vitaminen auf einmal.
26:12
Im Übrigen leben Sie genauso weiter wie bisher.
26:14
Ja.
26:15
Nur nicht zu dick werden.
26:16
Nein, nein, nein. Oh, ich nehme mich mit dem Essen schon in Acht. Aber Kaffee darf ich doch trinken, wie?
26:23
Dürfen Sie. Nur nicht solchen, der vor Kraft nicht aus der Kanne kam.
26:28
Ja, und hier, mein Schein. Den hätte ich ganz vergessen.
26:31
Ah ja, danke schön, Frau Lindemann. So, da haben Sie Ihr Rezept. Ja, danke. Jeden Tag ein Bonbon, genügt vollkommen. Und wenn irgendetwas ist... Kommen Sie und besuchen uns.
26:44
Nochmals vielen Dank, Herr Doktor. Recht vielen Dank.
26:48
Ja, ich meine... Noch Sorgen, Frau Lindemann? Entschuldigen Sie, wenn ich noch mal frage. Mit dem Herzen habe ich nichts, nein?
26:57
Keine Spur von nichts. Geht wie ein Uhrwerk. Und Ihr Blutdruck? Prima.
27:03
Es ist nur, weil die Jenny und die Bertha, also die sind doch wegen... Ich meine, die hatten es doch mit dem Herzen.
27:09
Ja, ja.
27:10
Ja, und die Agnes hat es mir nämlich erzählt, auf dem Friedhof.
27:14
Die lebten noch, wenn sie ihr Herz gehabt hätten, bestimmt.
27:16
Oh, echt schönen Dank, Herr Doktor. Ach, mir ist ein Stein vom Herzen. Nun will ich Sie aber nicht mehr aufhalten. Sie müssen ja essen und wollen sicher...
27:26
Sie haben mich nicht aufgehalten, im Gegenteil. Kommen Sie gut heim.
27:29
Auf Wiedersehen. Und schönen Sonntag noch, Herr Doktor.
27:33
Ich hörte Sie draußen noch mit Mechthild reden, dann klappte die Tür zu.
27:39
Ich setzte mich wieder und betrachtete die Karte mit den wenigen Eintragungen. Kerngesund. Wenn es einen Mörder gab, würde er sich etwas Neues einfallen lassen müssen bei Dorothea Lindemann.
28:00
Musik
28:08
Als Dorothea Lindemann wiederkam, war sie nicht mehr so gesund. Mechthild sagte es mir zwischen zwei Patienten. Es war zehn Tage nach dem ersten Besuch bei uns.
28:18
Die Frau Lindemann ist draußen. Aber die hat was heute.
28:22
Was?
28:23
Ich weiß nicht. Sieht aus, als ob sie Fieber hätte.
28:26
Mit einem Schlag waren alle bösen Gespenster wieder da. Fieber. Vor zehn Tagen kein Befund und heute Fieber.
28:37
Mit Fieber hatte es angefangen bei Alma Wiebach. Mechthills Stimme drang zu mir.
28:43
Nimmt sie das so mit?
28:46
Das nimmt mich so mit. Lassen Sie sie rein.
28:49
Aber es sind noch drei andere vor ihr.
28:51
Erzählen Sie denen irgendwas. Rein mit ihr.
28:53
Jawohl.
28:55
Dorothea kam. Sie war blasser als vor zehn Tagen. Als sie vor mir stand, sah ich feine Schweißtropfen auf ihrer Stirn.
29:04
Da bin ich schon wieder, Herr Doktor.
29:07
Was fehlt denn, Frau Lindemann?
29:09
Ach, ich wollte gar nicht kommen, Herr Doktor. Es ist kaum der Rede wert. Ich bin spazieren gegangen am Sonntag und da hat es doch so geregnet. Da muss ich mich ein bisschen erkältet haben. Jetzt seit zwei Tagen habe ich Halsschmerzen. Was zum Gurgeln hatte ich noch, das half auch ganz gut. Aber heute habe ich Fieber.
29:30
Gemessen oder gedacht?
29:32
Gemessen. 38,2.
29:35
Ich untersuchte sie gründlich.
29:38
Der Rachenring war gerötet. Sonst fand ich nichts. Die Lunge war völlig frei.
29:43
Schlimm?
29:45
Nichts Schlimmes, Frau Lindemann. Eine leichte Mandelentzündung. Keine Eitrige. Aber wir wollen verhüten, dass es einer wird. Nehmen Sie das ein, was ich Ihnen hier aufschreibe. Ja.
29:56
So, und jetzt gehen Sie nach Hause, kriechen in Ihr Bett und bleiben schön drin.
30:01
Ins Bett? Aber ich muss doch...
30:04
Ins Bett, Sie müssen nichts. Die Pensionierten haben immer das meiste zu tun. Aber wer Fieber hat, gehört ins Bett, ob sieben oder siebzig.
30:11
Wenn es sein muss...
30:13
Es muss. Gurgeln Sie weiter. Und morgen komme ich und sehe mir Ihren Hals an.
30:18
Wollen Sie sich wirklich den Weg machen?
30:21
Als ich das Datum stempelte, sah ich, dass sie morgen Geburtstag hatte.
30:25
Sicher ist morgen alles wieder gut, ja?
30:27
Ja, ja, ja. Geburtstag. Ich weiß. Da hätte ich Ihnen eigentlich ein besseres Geschenk machen müssen. Haben Sie Gäste eingeladen?
30:37
Nur dir, Agnes. Frau Lenzer, wir wollten doch zusammen Kaffee trinken.
30:43
Da wird vielleicht auch noch etwas draus. Aber erst komme ich und inspiziere, ob Sie im Bett sind. Dann werden wir weitersehen.
30:51
Wenn Sie sich wirklich extra bemühen wollen, Herr Doktor. Aber ich muss doch aufmachen.
30:56
Wann würden Sie denn... Wann kommt, Frau Lenzam?
30:59
Ja, genau hat sie es nicht gesagt. Aber sicher nicht vor vier.
31:02
Also dann bin ich zwischen zwei und drei da. Ich klingle dreimal lang, wie der Gerichtsvollzieher.
31:09
So, und hier ist das Rezept. Ja, danke. Und jetzt gehen Sie nur noch zur Apotheke, dann ganz schnell nach Hause und ins Bett. Ja.
31:18
Neulich habe ich noch groß getan mit meiner Gesundheit. Und schon habe ich was.
31:22
Umso gesünder wird das neue Lebensjahr, Frau Lindemann.
31:26
Bis morgen also.
31:27
Ja, Herr Doktor. Auf Wiedersehen.
31:31
Sie nickte mir noch einmal zu mit einem stillen, ergebenen Lächeln. Der Pferdekopf an der Hutnadel machte die Bewegung mit und funkelte bräunlich im Mittagslicht.
31:45
Musik
31:57
24 Stunden später bewegten wir uns im gewohnten Tempo durch den Rest unserer Kundschaft. Dann studierte ich meine Besuchsliste. Dorothea Lindemanns Name stand an erster Stelle. Ihr Geburtstag fiel mir ein. Während ich darüber nachdachte, ob Blumen oder Praline besser wären, kam Mechthild mit einem Haufen von Mullbinden.
32:17
Wissen Sie, dass heute Frau Seegers verbunden werden muss? Ich packe Ihnen alles ein.
32:21
Ach, du lieber Schreck, die habe ich gar nicht auf meiner Liste. Hätte ich glatt vergessen.
32:27
Das wird mich allein eine Stunde aufhalten. Binden, wickeln war nie mein Fall.
32:30
Nehmen Sie mich mit. Ich verbinde Sie. Inzwischen fahren Sie woanders hin und holen mich dann ab. Das wäre doch praktisch.
32:35
Das wäre eine Möglichkeit. Erinnern Sie mich, dass ich Ihnen ins Zeugnis schreibe. Entwickelt Eigeninitiative. Außerdem könnten Sie mitkommen zu unserer Dorothea und ihr zum Geburtstag gratulieren.
32:45
Hat sie heute?
32:46
So ist es. Blümchen müssen wir noch holen. Was ist mit Ihrem Essen?
32:51
Bis jetzt noch nichts. Das müsste ich erst machen.
32:53
Mama nicht mehr da?
32:54
Nein, die kann ja nicht ewig hierbleiben. Ich bin allein im Haus.
32:57
Keine Angst?
32:58
Nicht viel.
33:00
Dann schlage ich Folgendes vor. Ich mache die Eintragung, Sie räumen auf und dann fahren wir zum Essen. Anschließend holen wir die Blumen und fangen bei Dorothea an. Dann spulen wir den Rest ab. Gut? Gut. Eine Stunde später saßen wir in meinem Stammlokal hinter den Kalbsticks. Die Serviertochter war eine Spur kühler, als sie mich mit einem Mädchen sahen.
33:23
Das Trinkgeld würde ihr darüber hinweg helfen. Beim Kaffee las ich kurz in der Zeitung herum.
33:29
Männer müssen immer Zeitung lesen.
33:32
Verbergen Sie Ihre Ableigung einem Untergebenen gegenüber. Es erspart Ihnen Ärger und Mühe.
33:37
Was ist das?
33:39
Mein Horoskop für heute. Ich soll meine Ableigung Ihnen gegenüber verbergen. Das erspart mir Mühe. Wann sind Sie geboren?
33:45
4. April.
33:47
Ähm, Sie müssen den Tag mit einem unsympathischen Menschen verbringen. Seien Sie auf der Hut.
33:52
Bin ich. Noch was?
33:55
Ja, hier. Nehmen Sie keine Einladung an.
33:57
Wie soll das heißen, ich muss mein Mittagessen selber bezahlen? Bei dem Gehalt?
34:01
So steht's in den Sternen. Aber ich will eine Ausnahme machen. Es ist ja Ihr Horoskop, nicht meins.
34:07
Ich hätte mir doch selber kein Kalbsteak bestellt. Bei den Preisen.
34:12
Ich bezahlte und wir gingen. Dann fuhr ich eine Weile herum, bis wir einen Blumenladen fanden.
34:18
Wir betrachteten das Schaufenster.
34:22
Am besten ist ein Topf. Da hat sie länger was davon.
34:25
Also, ein Topf.
34:27
Und Sie? Ich könnte noch einen kleinen Strauß. Oder nein, ich hole ihr eine Schachtel Schnapskirchen. Das ist was für alte Damen. Die hat Tante Bertha auch immer gegessen.
34:38
Wir erstanden einen Topf mit Blüten, die mir gänzlich unbekannt waren, obwohl ich in Botanik eine Eins gehabt hatte. Mechthild fand ein Schokoladengeschäft.
34:49
Als wir die Fahrt zur Burggasse antraten, schlug es zwei. Ich fuhr an grauen Häuserzeilen vorbei, an deren Giebelfronten Buchstabenreste von Reklamen verkümmerten für irgendwelches Zeug, das es vor 30 Jahren gegeben hatte und längst nicht mehr gab. Und dazwischen hingen Fetzen von alten Wahlplakaten, wie Reklame für einen Zirkus, der schon vor vier Wochen abgereist war.
35:13
Ich zockelte hinter einer Straßenbahn her, hielt an, wenn sie stoppte und fuhr mit ihr weiter. Die Leute auf den Fensterplätzen sahen müde und gleichmütig auf uns herunter. Wir passierten eine Unterführung und mussten abbiegen.
35:29
Ganz schöner Weg. Ist doch eine Leistung, dass sie zu uns kommt, was?
35:34
Da sehen Sie, was Sie der alten Frau für Anstrengungen beschert haben. Viele Straßenbahn und dann auch noch laufen.
35:41
Sie kommt aber gern.
35:43
Gestern hat sie wieder richtig von innen geschwärmt.
35:46
Spezialist für alte Damen.
35:49
Steht Ihnen aber gut. Da, 24.
35:57
Es war ein vierstöckiges Mietshaus mit einer Toreinfacht. Unter den Fenstern hingen Blumenkästen. Wir stiegen aus und wanderten mit unserem Gepäck durch die Einfacht, weil kein anderer Zugang zu sehen war.
36:10
Da ist eine Tafel mit Namen.
36:14
Hier, Lindemann, Gartenhaus, zweiter Stock.
36:18
Wir gingen nach hinten durch. Es öffnete sich ein stiller, sonnenheller Hof. Das Gartenhaus hatte nur die halbe Höhe des vorderen Hauses. Um sein flaches Dach lief ein weitmaschiges, schmiedeeisernes Gitter mit einem ranken Gewirr von wildem Wein. Ganz anders war es hier hinten als draußen auf der Straße, ruhig und weit weg von allem Betrieb. Wir sahen keinen Menschen.
36:42
Hübsch ist es hier.
36:44
Und mit Dachgarten? Hier würde ich es auch aushalten als Pensionierter.
36:49
Ich habe nur kein Restaurant in der Nähe gesehen.
36:53
Die Haustür knarrte. Neben dem Treppenaufgang hing die Hausordnung mit unzähligen Paragrafen. Eine breite Tür daneben war als Eingang zu einem Möbellager gekennzeichnet, aber ich vernahm kein Geräusch dahinter. Auch im ersten Stock gab es nur eine einzige Tür, dann standen wir vor der oberen.
37:13
Ein schmales, gewölbtes Porzellanschild zeigte Dorotheas Namen in rechts geneigter Schrift wie aus einem Schulheft. Mechthild hatte die Besuchstasche auf den Boden gestellt. Ich spürte das Seidenpapier meines Blumentopfes unter dem Kinn. So warteten wir. Und nichts geschah.
37:40
Sie schläft wahrscheinlich.
37:42
Ich sah sie an und hoffte, dass die Furcht, die mich plötzlich befiel, nicht auf meinem Gesicht zu lesen wäre. Dann fiel mir ein, dass ich ihr angekündigt hatte, dreimal lang zu klingeln. Natürlich, das war es. Es konnte nur das sein. Sie wartete auf das Zeichen. Mit jedem Schrillen schien mir die Klingel lauter zu werden, wie eine Sirene, die immer näher kommt.
38:09
Sie hört nichts.
38:10
Ich frag mal unten.
38:11
Soll ich nicht gehen?
38:15
Aber ich lief schon die Treppe hinunter. Ich klingelte unten dreimal, als wäre ich noch vor Dorotheas Tür. Nichts rührte sich, ein halbes Jahrhundert lang. Dann schlurften unsäglich langsame Schritte näher. Die Tür rasselte in die Sperrkette, ein mürrisches Gesicht voller Misstrauen erschien im Spalt. Es war eine zerknitterte alte Frau, ganz das Gegenteil von Dorothea, lustlos und ohne Mut. Der zahnlose Unterkiefer schob sich hin und her.
38:41
Ich habe kein Geld. Ich kaufe nichts.
38:44
Hören Sie bitte, ich bin Arzt. Oben... Ich sollte zu Frau Lindemann kommen. Oben. Es macht aber niemand auf. Wissen Sie zufällig, ob sie weggegangen ist?
38:53
Weiß ich nicht. Hab ich nicht gesehen.
38:56
Haben Sie sie vielleicht gehört? Oben.
38:59
Hab ich nicht. Vorhin hat schon jemand gefragt. Eine Frau. Ich kann Ihnen gar nichts sagen. Ich weiß gar nicht, was die Leute...
39:07
Die Alte murmelte noch etwas, als sie wegschlurfte. Gleich darauf war ich wieder oben. Mein Atem ging schneller.
39:14
Weiß sie was?
39:16
Nichts. Vorhin soll schon jemand gefragt haben, meine Frau.
39:19
Sicher eine, die gratulieren wollte. Sie, Sie machen ja das ganze Seidenpapier kaputt, die Blüten.
39:26
Ich setzte den Blumentopf auf die Erde, ohne hinzusehen. Ich drückte noch dreimal auf die Klingel, aber ich wartete nicht mehr auf eine Antwort.
39:34
Sie konnte sich über meine Anweisungen hinweggesetzt haben, Kuchen holen gegangen sein, was weiß ich. Aber ich beugte mich hinunter zu dem Schloss an der Tür. Es war ein einfaches Ding mit einem Eisenbeschlag, den große, breitgekerbte Schrauben hielten. Das Schlüsselloch sah völlig harmlos aus. Mechthild bekam runde Augen, als sie meinen Schlüsselbund sah.
40:03
Was wollen Sie einbrechen?
40:06
Sie liegt da drin. Sie kann sich vielleicht nicht rühren und wartet auf uns. Sie hört die Klingel und kann nicht aufstehen.
40:16
Ach. Warten Sie, ich habe auch noch Schlüssel.
40:19
Geben Sie.
40:37
Warten Sie, ich bin gleich wieder da.
40:39
Ja, wo wollen Sie denn hin?
40:43
Ich hörte nichts mehr. Ich lief wieder die Treppen hinunter aus der Tür durch den Hof und hinaus. Ich wusste, dass ich ein Montiereisen im Wagen hatte und ich fand es im Kofferraum. Dann war ich wieder oben an der Tür. Mechthild sagte nichts, als ich die Schneide des Eisens in den Spalt neben der Klinke stieß.
41:02
Das Holz knirschte, die Leiste bog sich nach außen, feine Risse platzten in die Maserung, dann splitterte es, das Eisen rutschte ab und schlug klirrend gegen die Klinke. Ich zog mein Taschentuch heraus und ballte es um den Schaft. Dann rammte ich das Eisen mit einem Ruck durch die gesplitterte Kante, die Schneide stieß auf Metall.
41:26
Eine Sekunde wartete ich, dann warf ich mich mit gewinkelten Armen gegen den Schaft. Der Riegel brach nach hinten durch. Ich schlug schwer mit der Schulter gegen den stehenden Türflügel. Der andere schwang zurück. Es war still und dunkel dahinter. Ich konnte nichts erkennen. Nur ein ungewohnter, gemütlicher Geruch kam heraus, so nach Beschaulichkeit und Lebensabend.
41:55
Ein paar Herzschläge lang standen wir reglos vor der Tür. Ich wartete darauf, die Stimme der alten Dame zu hören. Vielleicht erschrocken oder entrüstet, aber wenigstens da. Kein Laut kam aus der Tiefe der Wohnung.
42:11
Sie wird doch weggegangen sein. Sonst müsste sie sich doch irgendwie bemerkbar machen.
42:20
In diesem Fall darf ich ihr eine neue Tür zum Geburtstag schenken.
42:26
Was, jetzt?
42:28
Jetzt sind wir immer hier. Geben wir die Blumen ab.
42:33
Ich finde das alles ein bisschen merkwürdig. Sie nicht?
42:39
Ich trat durch den Eingang. Der Flur war so breit wie die Tür und etwa fünf Meter lang. Drei Türen gingen von der linken Seite ab, eine vierte lag gegenüber, am anderen Ende.
42:55
Sie war halb geöffnet, und das wenige Licht, das den Flur erhellte, drang durch diesen Spalt. Langsam ging ich vorwärts. Eine Garderobe stand rechts an der Seite. Ich sah mich im Spiegel des Mittelteils wie einen anderen Mann. Mechthild kam dicht heran.
43:13
Sehen Sie, Ihr Hut ist da.
43:17
Auf ein paar hölzernen Querstäben lag der Hut, den Dorothea getragen hatte.
43:22
Eine Weile starrte ich ihn an, und dann fiel mir auf, dass die Nadel mit dem Pferdekopf nicht daran war. Sie lag sicher irgendwo rum. Ein dunkler Mantel hing noch da und ein schwarzer Schirm. Langsam schob ich mich auf die hintere Tür zu. Mit dem Unterarm drückte ich sie ganz auf. Ein freundliches Wohnzimmer. Nichts Unheimliches war daran. Ich trat an den Tisch heran und stellte den Blumentopf darauf. Mechthild legte ihre Pralineschachtel daneben.
43:51
Wir drehten uns um, und unser Blick fiel in einen kleineren Raum, eingerichtet wie ein Salon aus der Biedermeierzeit. Links, direkt neben dem Eingang, führte eine Glastür auf einen hellen Balkon hinaus. Sie stand offen, und wirre Weinranken hingen über ihren Rahmen herunter. Ich machte zwei Schritte durch die Tür. Der Balkon war nicht groß. Zwei Säulen trugen ein wabig durchbrochenes Dach aus Gipsstuck.
44:19
Und alles war umflochten und umrangt von Weinlaub. Aber keine Spur von Dorothea. Ich kehrte zu Mechthild zurück.
44:30
Na?
44:31
Nicht. Keine Spur von ihr.
44:34
Was sollen wir nun machen?
44:38
Tja, entweder warten wir noch ein bisschen, oder wir treten einen ehrenvollen Rückzug an, schreiben mir einen Zettel, Und ich sage dem Hausmeister Bescheid, wenn es Sie angibt. Oder haben Sie einen besseren Vorschlag?
44:54
Nein. Ich dachte nur, ein Schlafzimmer müsste Sie doch auch haben.
44:59
Ja, wahrscheinlich da draußen.
45:02
Aber ich glaube nicht... Reinschauen könnten wir trotzdem, wo wir schon hier sind.
45:06
Wir gingen langsam zurück. Der Korridor lag in völliger Ruhe. Vorn klaffte die aufgebrochene Tür. Dann standen wir vor der ersten Tür vom Wohnzimmer her.
45:17
Ich klopfte. Keine Antwort. Niemand rief herein. Da öffnete ich die Tür weit. Ich weiß immer sehr schnell, ob jemand tot ist. Es liegt nicht so sehr an der Erfahrung. Er sieht anders aus. Er ist so zusammengefallen. Er nimmt weniger Platz weg als ein Lebender. Dorothea lag in ihrem Bett, flach auf dem Rücken, mit ausgestreckten Armen.
45:47
Sie trug eine gestrickte Nachtjacke über dem Hemd, ihr Hals war eingehüllt von einem wollenden Tuch, zwei Sicherheitsnadeln hielten es fest. Dann hörten wir ein Geräusch, ein leises hohes Piepen dreimal hintereinander. Ich blickte auf und sah im Zimmer umher.
46:05
Es hatte nur ein Fenster. Dorotheas Bett stand mit der Querseite daneben. Auf dem Nachttisch stand das Bild, das ich kannte, die fünf Mädchen. Ich erkannte Dorothea an ihrem runden, treuherzigen Gesicht, das nicht ganz zwischen die anderen passte. Das Fenster war geschlossen.
46:23
Sicher hatte sie Angst vor dem Zug gehabt und vor einer neuen Erkältung.
46:28
Ganz hinten, am äußersten Ende des Fensterbrettes, stand ein Käfig aus Messing. Ein Wellensittich krallte sich an die Gitterstäbe. Seine kleinen glänzenden Augen waren auf uns gerichtet in namenloser Angst. Zum ersten Mal sprach einer von uns. Mechthild.
46:50
Der war die ganze Zeit hier.
46:52
Ja. Die reden doch manchmal.
46:56
Manchmal, ja.
46:58
Der hat gesehen, wer... wer tut so etwas?
47:03
Jemand, der hinter den fünf Mädchen auf dem Bild daher ist.
47:07
Wieso?
47:09
Sie kennen es doch, die fünf Schulfreundinnen. Jetzt ist noch eine übrig. Ihre Tante Mechtelt war die Letzte. Es kann Zufall gewesen sein wie bei den anderen, aber das hier ist keiner. Dorothea war gesund. Sie hätte noch 20 Jahre leben können. Das war zu lange.
47:29
Diesmal ist alles ganz klar. Nichts Normales und Alltägliches.
47:36
Nein. Ich merkte nicht, wie ich mich langsam setzte. Auf einem Stuhl, der vor der rechten Seite des Bettes stand. Die Mandelentzündung war nicht schuld an Dorotheas Tod. Ein fast kreisrunder, tiefroter Fleck leuchtete auf der gestrickten Nachtjacke.
47:59
Und da war noch etwas. Die Mordwaffe. Auf der weißen Bettdecke funkelten braune Steine. Die Hutnadel mit dem Pferdekopf.
48:27
Wolfram, es wird ja immer schauerlicher. Also jetzt ist schon das weiße Strickjäckchen, Blutbefleckt, ganz offensichtlicher Mord. Sie wird sicher nicht selber die Hutnadel. Entschuldigung, ich habe sie sehr lieb gewonnen eigentlich. Mir tut es sehr leid um sie. Aber wir haben hier die erstochene tote alte Dame, die...
48:53
Tante von Melchthild, da weiß man ja noch nicht genau, was ist, aber es gibt ja die Theorie von Dr. Klein, dass sie so erschreckt wurde übers Telefon, wie in der Kurzgeschichte. Und das lässt dann auch den allerersten Tod, die allererste Tote. Fragezeichen, ob das so natürlich war. Aber ich meine, krasse Entwicklung hat man am Anfang, wir haben ja so gesagt, diese Betuligkeit, die das hat und auch diese Ehrbietung, die ja diesen alten Darm entgegenbringt und auf einmal sind wir mittendrin.
49:23
In einem Splatter.
49:24
Eben, ich habe etwas Sorge vor der vierten und fünften Folge. Eine alte Dame ist ja noch lebendig, aber wie die dann zugerichtet wird.
49:32
Ja, aber ich meine, man kann ja auch hoffen, dass es was ganz jetzt wahnsinnig vertragt, ausgeklügeltes und gar nicht so blutiges ist. Alle Türen offen.
49:45
Oder sie überlebt. Das wäre doch ein schöner Plotpoint. Naja, du guckst mich schon anders an.
49:50
Naja, ich hänge natürlich am Titel. Also, ja, du hast schon recht. Kann auch ein Spiel damit sein. Aber wir haben ja noch, eben, der Professor tauchte jetzt gar nicht auf, aber den haben wir ja schon so als bisschen diabolischen Gegenspieler ausgemacht. Und der Rechtsanwalt, der auch nicht auf den Kopf gefallen. Den Kommissar hast du ihn wieder erkannt?
50:09
Nein. Nein.
50:12
Er ermittelt auch in der letzten Visite. Ah. Ja, aber da erlebt man ihn natürlich nicht so kumpelhaft, sondern da ist er nur autoritär und nicht mit seinem Freund Dr.
50:23
Klein. Heißt er auch gleich?
50:24
Ja, ja, das ist es.
50:25
Ah, lustig, okay.
50:26
Ist ja kein typischer Name, der Noges. Ungewöhnlich, aber irgendwie scheint er dem Herrn Gruhl, hat sich wahrscheinlich immer, wenn er einen Polizisten vor seinem inneren Auge sah, den Noges gesehen.
50:42
Ich fand ja schon schwierig beim Zuhören, dass Herr Klaas, die eigentlich ja quicklebendige und wirklich mobsfidele Dame, die uns entgegentritt, die bei der Wie sie beim Check, der jetzt eigentlich auch wunderbar geht, kann ich auch gleich noch ein tolles Zitat bringen, was ich mir aufgeschrieben habe. Nein, man ahnt ja, dass es ihr schlechter gehen wird, spätestens als sie sich nochmal meldet, dass sie krank ist. Und ich dachte eigentlich, ja, du musst jetzt sie beschützen. Beschützt doch die alte Dame, geh hin, bleib bei ihr, halt ihr das Händchen, wechsel dich ab mit deiner Sprechstundenhilfe, aber irgendwie wirkt ihr so entmutigt durch eben seinen Kommissarenfreund, dass er das einfach so geschehen lässt.
51:31
Du musst irgendwann mal was Schlimmes erfahren haben, weil du lässt dich von diesen Idylletropfen, die ja auch überall platziert werden, wie wir gratulieren zum Geburtstag und wir fahren ja hin und wir kommen sogar zu zweit, die scheinen gar nicht bei dir zu fruchten, sondern du siehst quasi nur...
51:51
den Meuchelmörder, der schon im Schrank lange sitzt. Ging mir nicht so. Ich hatte das Gefühl, er nimmt schon viel mehr Anteil an ihr. Er zieht sie ja auch vor. Beim ersten Mal lässt er sie noch warten. Da sind noch zwei Patientinnen vorher dran. Dann kommt sie sofort dran. Und er macht den Hausbesuch. Er verabredet ein geheimes Klingezeichen. Was soll denn in so einer gut bütenden Welt noch anderes passieren, dachte ich.
52:15
Naja, aber es wurde schon eine Dame per Telefon umgebracht. Wissen wir nicht. Ja, aber er glaubt es ja. Weiß nicht. Bei der zweiten wissen wir es auch nicht.
52:23
Es könnte auch die langweiligste Kremiserie werden und am Schluss waren alles natürliche Tode. Soll schon vorgekommen sein. Zufälle.
52:35
Ich finde, er hat sich gut ins Zeug gelegt. Ich fand gerade das Motiv, wir fahren da zusammen hin. Und auch, dass Mechthild sofort einverstanden ist und sagt, ich besorge auch noch was für die Frau, die zweimal bei uns im Wartezimmer saß, fand ich einen ganz schönen Moment.
52:49
Ja, sie erinnert sich natürlich an ihre Tante, der sie jetzt keinen Blumenstrauß mehr bringen kann.
52:53
Oh, du bist ja süß, ja. Siehst du, wie es mir ist.
52:58
Mensch, das ist ja hier wie eine heiß-Kalt-Dusche.
53:01
Ein bisschen Anteilnahme an den Menschen.
53:04
So, jetzt sag mir doch bitte noch, welche Perle du in der toten alten Dame gefunden hast.
53:09
Hey, ich fand ein paar. Eben genau, wenn unser Dr. Klein eben genau unsere Dame beschreibt, sagt er ja eben, sieht wie jemand aus, die wirklich ein Leben gut gelebt hat, auch nicht so viele Probleme hat, nicht so viele Fragen gestellt. Ihr Körper zeigt von zahlreichen Sitzungen hinter Kuchen und Schlagrahmen.
53:27
Finde ich herrlich. Kannst du mir auch genau vorstellen, Kaffee und Kuchen.
53:31
Ich glaube, das ist schon das dritte Zitat, das du bringst, was irgendwie mit Kuchen, Kaffee oder Schlagrahmen zu tun hat.
53:38
Das sagt wahrscheinlich auch mehr bei mich. Das andere Kaffee-Zitat habe ich schon am Anfang gebracht. Kaffee darf sie trinken, nur nicht zeuchten, der vor Kraft nicht aus der Kanne kann. Und dann gefällt mir auch gut, wenn sie dann eben mit Fieber kommt und sagt, ja, sie möchte ihren Geburtstag feiern. Und dann sagt er, ja, die Pensionierten haben immer am meisten zu tun. Und wer Fieber hat, gehört ins Bett, ob sieben oder siebzig. Und da glaube ich doch, den Hans Kohl rauszuhören, der wirklich...
54:08
wirklich Mediziner war und wahrscheinlich auch mal eine Praxis hatte als Allgemeinarzt. Weil ich finde, das sind so Sprüche, die kann ich mir jetzt wirklich von einem Hausarzt einfach vorstellen, der nicht zum ersten Mal jemand sagen muss, ne, ob jung oder alt, mit Fieber ins Bett. Und auch so ein Spruch, die pensioniert nicht mehr am meisten zu tun. Da ist so viel Alltagsweisheit drin, aus dem Leben abgeschaut. Ich denke doch, dieser Zweitberuf vom Autoren-Grohl, den merkt man hier im Positiven. Der weiß, wovon er schreibt.
54:35
Stimmt, und es bleibt nicht nur auf dieser abstrakten, medikamentösen und Autopsieberichtebene, sondern geht bis ins Patientengespräch.
54:42
Genau, und wie er sonst sagt, zwei kommen noch vor ihr dran. Das eine war ein Rezept, eine andere Überweisung.
54:48
Du hast einfach Alltag mit ganz wenigen Pinselstrichen.
54:52
Genau, und nicht ausgedacht.
54:55
Schauen wir mal, ob er sich den Ausgang der Story ausgedacht hat oder ob mein lames Ende, dass alles nur natürliche Tode waren.
55:05
alltagstauglicher, aber ein bisschen unbefriedigender für ein Krimi-Podcast wäre.
55:10
Oder ob die fünfte alte Dame gerettet wird.
55:12
Oder eben ganz brutal niedergemetzelt.
55:16
Also ich glaube, wir hören ja auf. Bis zum nächsten Mord, bis nächste Woche.
55:32
Das war ein Podcast von SRF.
55:34
Produziert im Auftrag der SRG.